Die Funktion des Humors in Gottfried Kellers Novellenzyklen Die Leute von Seldwyla und Züricher Novellen

by Frantzen Jean-Claude

mardi 7 août 2018/Catégories: Travail de candidature, Allemand

Gegenstand dieser Arbeit ist die Funktion des Humors in den Novellenzyklen Die Leute von Seldwyla und Züricher Novellen von Gottfried Keller. Wenngleich aus Gründen des Umfangs nicht der Anspruch erhoben wurde, jede Erzählung dieser Novellensammlungen einer genauen Interpretation zu unterziehen, wurde anhand einer Analyse ausgesuchter Erzählungen und Erzählpassagen dargelegt, wie die humoristische Darstellungsweise es Keller ermöglicht, eine objektive Wirklichkeit auf eine spezifisch poetische Weise zur Sprache zu bringen und sich mit dem Wesen des Menschen und dessen Verhältnis zur Gesellschaft auseinanderzusetzen. Die zu diesem Zweck untersuchten Novellen sind: Die drei gerechten Kammmacher, Kleider machen Leute und Das Fähnlein der sieben Aufrechten.
Zunächst wurde in einem theoretischen Teil untersucht, was man unter dem Begriff ‚Humor‘ versteht, um sich zugleich mit dem Komischen und den diversen Ausprägungen des Humors zu befassen, die in den ausgewählten Novellen von Keller zum Ausdruck kommen. Anhand wichtiger Schlüsselmomente in Kellers Leben wurde verdeutlicht, welche Forderungen er an die Literatur stellt und warum er dem Poetischen Realismus zuzurechnen ist. Im nächsten Teil wurde analysiert, welche Funktion dem Humor in Kellers erzählerischem Werk zukommt und inwiefern er mit den Anforderungen des Poetischen Realismus vereinbar ist. Da eine Antwort auf diese Fragen jedoch voraussetzt, dass man Kellers Humor überhaupt erst erfasst, erfolgte zuvor eine Analyse seines Erzählstils. Im Anschluss wurde dargelegt, welche Differenzen es zwischen der Romantik und dem Poetischen Realismus bezüglich des Humors gibt, um in einem nächsten Schritt herauszuarbeiten, dass sich der Humor bei Keller besonders im komplexen Verhältnis von Sein und Schein in ganz unterschiedlichen Formen manifestiert. Bevor die Ergebnisse in einer Schlussbetrachtung zusammengeführt wurden, wurden im Hauptteil die drei oben erwähnten Novellen, die das gesamte Spektrum von Kellers Humor offenbaren, hinsichtlich der Funktionen des Humors ausführlicher analysiert.
In der Arbeit konnte nachgewiesen werden, dass der Humor bei Keller den Leser unterhalten und erheitern soll, was einerseits durch seinen besonderen Erzählstil und andererseits durch das Schaffen einer Situations- und Handlungskomik gewährleistet wird. Darüber hinaus ist der Humor auch ein darstellerisches Prinzip für Kellers Realismus, das eine vorgefundene empirische Wirklichkeit auf eine künstlerische Art und Weise wiedergibt und eine distanzierte Erzählhaltung ermöglicht, bei der der Mensch häufig über die Darstellung der von ihm umgebenden Objektwelt charakterisiert wird. Außerdem hat der Humor bei Keller eine entlarvende und didaktische Funktion, die darauf abzielt, das Wesen des Menschen zu offenbaren, wodurch zugleich Rückschlüsse auf die Mentalität der Gesellschaft gezogen werden können, in der er sich aufhält und mit anderen Figuren interagiert. Als demaskierendes Medium kann der Humor je nach Haltung des Erzählers gegenüber den Figuren von versöhnlicher Ironie, über kritische Satire bis hin zur furchterregenden Groteske ganz unterschiedliche Formen annehmen.

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