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Zur Identitäts- und Rollenproblematik der Protagonisten in ausgewählten Kurzgeschichten Bernhard Schlinks

by Schumacher Paul

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Identitäts- und Rollenproblematik und den damit einhergehenden Einflüssen auf das alltägliche Leben der Protagonisten in drei ausgewählten Kurzgeschichten Bernhard Schlinks. Das „Problem”, das sich den Figuren stellt, ist nicht primär die Tatsache, dass sie sich identitätstechnisch verändern, Rollen annehmen und ablegen, da dies ein gängiges Vorgehen des Menschen ist. Schwierigkeiten werden eher durch die Unsicherheit hervorgerufen, die die Veränderungen und Rollenkonflikte bei Schlinks Protagonisten auslöst und die sie in die Lüge und Selbstlüge treibt, um sie dann am Ende in einem Zustand der Orientierungslosigkeit und Identitätsdiffusion zurückzulassen.
Schlink erzählt von Menschen im Spannungsfeld zwischen nüchternem Alltag und Illusion, zwischen Selbstbild und Fremdbild bzw. Vorurteil. Die Lebenssituationen der Figuren sind realitätsnah, die Denkweisen der Menschen meist authentisch, wenn auch gelegentlich etwas überzeichnet. Das jeweils offene Ende lässt dem Leser Interpretations- und ‒ gepaart mit den Charakterschwächen der Figuren ‒ Identifikationsspielraum. Die Fragen, die immer wieder auftauchen und aufeinander einwirken sind: Wer bin ich? Bin ich wirklich derjenige, der ich vorgebe zu sein? Wie sehen andere mich? Wie will ich von anderen gesehen werden? Bin ich wirklich noch ich? Wen machen andere aus mir? Bin ich so, wie ich sein will? Wen mache ich aus anderen Personen?
Diesen Fragen müssen sich die in dieser Arbeit beschriebenen Figuren stellen, während sie mit großer Intensität und getrieben von Illusionen und Hoffnungen an ihren Nächsten vorbeileben und immer wieder von der Realität eingeholt werden.
Diese Arbeit leistet zunächst theoretische Basisarbeit in den Bereichen der Identitäts-und Rollentheorie um dann mithilfe eines daraus resultierenden Analyseschemas die Protagonisten der drei Kurzgeschichten „Die Beschneidung“, „Nachsaison“ und „Das Haus im Wald“ textnah vor dem Hintergrund der Identitäts- und Rollenproblematik zu untersuchen.

Schulradio effektiv nutzen – Verschiedene Radioformate für den Deutschunterricht

by Alt Janosch

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der produktiven Radioarbeit im Kontext des
Deutschunterrichts. Das schuleigene Radio LNW bietet den Schülern des Lycée du Nord in
Wiltz die nahezu einzigartige Gelegenheit, den Klassensaal zu verlassen und eigenständig Radio
zu machen. Radiomachen kann gerade im Sprachenunterricht überaus motivierend sein und
sich positiv auf die medienpädagogische und fachliche Entwicklung der Schüler auswirken;
insofern die vorhandenen Strukturen denn in Anspruch genommen werden.
In dieser Arbeit wird der Versuch gestartet, nach einem medienpädagogischen und radiobezogenen
theoretischen Exkurs einige gängige Radioformate wie die Radioumfrage, das Interview,
die Anmoderation, die Reportage und den Podcast auf deren Einsatzfähigkeit und Effektivität
im Unterricht hin zu prüfen. Um dies unter anderem zu ermitteln, gaben die Schüler der betroffenen
Klasse eine Einschätzung zu den einzelnen Formaten in Form eines Feedbackbogens
ab. Zudem gibt die Auswertung einer an alle Lehrer des LNW geschickten Online-Umfrage
Aufschluss über den tatsächlichen Einsatz besagten Mediums.
Im Ergebnis wird deutlich, dass ein Kompetenzzuwachs in Bezug auf die sprachlichen, journalistischen
und technischen Fähigkeiten bei den Schülern festzustellen ist und sie durch die Veröffentlichung
über die Radiowellen und auf der eigens dafür konzipierten Webseite zusätzlich
motiviert wurden. Leider scheuen die meisten Lehrer jedoch, sei es in den Sprachenfächern
oder in anderen Bereichen, aus unterschiedlichen Gründen davor, von dieser Einrichtung Gebrauch
zu machen.
Daher wäre es wünschenswert, wenn medienpädagogische Projekte sowohl im Radio LNW in
Wiltz als auch im allgemeinen Schulbetrieb völlig fächerunabhängig und bestenfalls fächerübergreifend
vermehrt durchgeführt würden und den Schülern das noch lange nicht ausgestorbene
Medium Radio nähergebracht würde.

Ausarbeitung eines Unterrichtsmodells zum Thema „Vorurteile“ auf einer 7eST anhand des Jugendromans „Paul Vier und die Schröders“ von Andreas Steinhöfel

by Biewesch Joanne

In dieser Arbeit geht es um die Vorstellung und Auswertung eines Unterrichtsmodells zum Thema „Vorurteile“, das für eine 7eST entwickelt worden ist. Als Ausgangspunkt dient der Jugendroman „Paul Vier und die Schröders“ von Andreas Steinhöfel.
Ziel des Unterrichtsmodells ist es, die Vorurteilsthematik zu behandeln und gleichzeitig die sprachlichen Kompetenzen der Schüler zu trainieren. Methodisch wurde dabei auf ein Dossier zurückgegriffen, das als zentrales Werkzeug zur Leistungsförderung der Schüler dient.
Im ersten Teil der Arbeit wird das theoretische Fundament erläutert: Zentrale Begriffe der Vor-urteilsforschung werden ausgeführt. Es folgen detaillierte Erklärungen zu den einzelnen Kom-petenzen, die im Deutschunterricht gefördert werden sollen.
Im zweiten Teil der Arbeit wird die Planung und Durchführung des Projektes vorgestellt, ehe eine Auswertung der Schülerarbeiten vorgenommen wird. Hier wird untersucht, inwiefern die ausgewählten Ausgabenstellungen und -formate die jeweiligen Kompetenzen bei den Schülern fördern konnten.
Das Unterrichtsmodell orientiert sich an der konstruktivistischen Didaktik mit ihrer Theorie des sozialen, autonomen und differenzierten Lernens und beinhaltet daher sowohl unterschiedliche Sozialformen als auch Zusatzaufgaben für „Fleißige“. Gleichzeitig werden die Schüler schritt-weise an ein selbstständigeres Arbeiten herangeführt.
Neben dem Dossier enthält das Unterrichtsmodell unterschiedliche Evaluationsformen. Die Schreibkompetenz ist eng an den Schreibprozess geknüpft. Hier sollen die Schüler lernen, ihre Texte Schritt für Schritt zu planen und sie nach einer ersten Verschriftlichung noch einmal zu überarbeiten. Die Lesekompetenz wird durch eine klassische Prüfung bewertet. In der Hörkom-petenz wird auf eine authentische Reportage zurückgegriffen, die das Thema „Albinismus“ be-handelt. Ihre Sprechkompetenz stellen die Schüler in einem Rollenspiel unter Beweis.
Das erarbeitete Unterrichtsmodell soll Deutschlehrern einer 7eST ein Instrument an die Hand geben, um diesen Jugendroman auf abwechslungsreiche Art und Weise mit ihren Schülern zu analysieren. Am Ende der Unterrichtssequenz haben sich die Schüler mit der wichtigen The-matik der Vorurteile auseinandergesetzt. Sie haben erkannt, welche Ursachen und negativen Folgen die Diskriminierung von Personen oder Gruppen haben kann. Durch die Erarbeitung des Dossiers sind alle zentralen Kompetenzbereiche, die in den Bildungsstandards vorgesehen sind (Hör-, Sprech-, Lese- und Schreibkompetenz), gefördert worden.

Halbgötter in Grau: Trader und Manager als tragikomische Archetypen nach klassischem Vorbild.

by Wintersdorff Bob

Im Zentrum dieser Arbeit stehen die beiden Dramen Top Dogs von Urs Widmer und
Erreger von Albert Ostermaier. Es wird vor allem der Typus des „Finanzmenschen“ in
seiner Eigenschaft als literarische Figur analysiert. Gemeinsamkeiten bezüglich der
Funktionsweise solcher Rollen werden aufgezeigt und außerdem werden Parallelen
zu den Figuren der griechischen Antike betrachtet. So kann man feststellen, dass der
Manager ein archetypischer zeitgenössischer Held ist, der eine Reihe von
unabänderbaren Eigenschaften beibehält, die ihn zu einer Schablone machen, die
weit über das jeweilige einzelne Drama und seine Inszenierung hinausgeht.
Bevor die Arbeit an den Texten beginnt, werden theoretische Überlegungen zum
Thema Macht angestellt und die Frage nach der Gattung der Werke und deren
Auswirkung auf den Text geklärt. Es folgt eine textimmanente und eine
hermeneutische Analyse der Primärtexte, die den Hauptteil der Arbeit ausmacht und
den Grundstein für die weiteren Betrachtungen legt. Nach dieser rein inhaltlichen
Analyse zeigt eine formale und strukturelle Analyse der Dramen Parallelen sowohl
untereinander als auch bezüglich der antiken Tradition auf. Die Rolle der Frau in den
beiden Werken wird ebenfalls analysiert. Weiterhin werden die Stücke in die
postmoderne Theaterpraxis eingeordnet. Hier werden auch Fragen nach der Tragik
und Komik noch einmal aufgegriffen und abschließend ein Exkurs zur Rezeption der
Werke angestellt.
Durch diese vielseitige Betrachtungsweise kann belegt werden, dass die analysierten
Texte Teil einer zeitgenössischen Tendenz sind und es sich bei ihnen nicht nur um
eine vorübergehende Modeerscheinung, sondern eine konsequente Weiterführung
einer kulturhistorischen Tradition handelt, in die sie sich bewusst einordnen.

Diskursive Perspektiven der Schuldthematisierung im Romanwerk des Ferdinand von Schirach

by Linster Sandra

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den beiden Romanen Der Fall Collini und Tabu von
Ferdinand von Schirach. In einem ersten Kapitel werden mögliche Gründe der doch sehr
unterschiedlichen Rezeption im In- und Ausland erarbeitet. Der persönliche Schreibstil des
Autors bildet gemeinsam mit einer Analyse der einzelnen Figurensprachen einen weiteren
Schwerpunkt. Zudem stellt sich die Frage, inwieweit beide Romane in die Gattung des
Kriminalromans eingebettet werden können. Des Weiteren werden Gemeinsamkeiten zwischen
dem Autor und verschiedenen Figuren seiner Romane herausgearbeitet. Es wird beschrieben,
wie der Autor seine Romane als Vehikel der Bewältigung im Umgang mit seinem Großvater
Baldur von Schirach gebraucht. Das pornografische Schreiben seiner Cousine Ariadne von
Schirach spielt außerdem eine Rolle. Der letzte Teil der Arbeit befasst sich mit dem Thema
Schuld. Zunächst soll die Frage geklärt werden, was der Autor als Anwalt unter dem Begriff
„Schuld“ versteht und inwieweit sich seine Protagonisten schuldig machen. Ferdinand von
Schirach bezieht sich in seinen Romanen auf reale Fälle, die dem Leser unterschiedliche
Schuldperspektiven eröffnen.
Neben Aussagen zu der Eigenart dieser Textualität werden Ergebnisse zur Fragestellung um
biografisches Schreiben und um die fiktionale Darstellung unterschiedlicher Aspekte der
Schuldproblematik erwartet.

Diagnose-Tools im Grammatikunterricht. Instrumente zur Feststellung des Wissenstands in 7ST-Klassen vor der Sequenzplanung der Grammatik-Kapitel.

by Muller Michel

Bei der Planung von Unterrichtseinheiten sollte sich der Lehrer an der Maxime orientieren,
Lernende dort abzuholen, wo sie sich hinsichtlich ihres Wissenstandes befinden. Eine von
einer wachsenden Vielfalt geprägte Gesellschaft, aber auch die grundlegende Gestaltung des
luxemburgischen Schulsystems bringen jedoch Schulklassen hervor, deren Heterogenität zu
Beginn des Cycle inférieur nicht abgeschätzt werden kann, wodurch eine wissensfördernde
Zusammensetzung von Unterrichtsinhalten erheblich erschwert wird. Die folgende Arbeit
setzt es sich zum Ziel, Einstufungstests zu entwickeln, die es der Lehrkraft ermöglichen, einen
Einblick in den individuellen Wissenstand der Schüler zu erhalten, bevor er eine grammatische
Sequenz plant. Vorrangiges Ziel ist folglich die Entwicklung dieser Einstufungstests,
unter denen diagnostischen Tools zu verstehen sind, die im Laufe des Schuljahres 2016-2017
konzipiert und nach ihrer Durchführung auf ihre Hauptgütekriterien der klassischen Testtheorie
– Reliabilität, Validität und Objektivität – hin analysiert werden.
Die entwickelten Einstufungstests werden im Unterrichtsalltag einer 7ST-Klasse erprobt, da
sich der Lehrer auf diesem Klassenniveau mit einer in besonderem Maße ausgeprägten Heterogenität
auseinandersetzen muss.

Charlotte Roche und Heinz Strunk: Über den Reiz des Unstatthaften. Sexualität in der deutschen Gegenwartsliteratur

by Hamen Claudine

Der vorliegende „Travail de candidature“ rückt zwei Grenzgänger 1 der deutschen
Gegenwartsliteratur in den Fokus: Charlotte Roche und Heinz Strunk.
Roche löste 2008 mit ihrem Erstlingswerk „Feuchtgebiete“2, einem Sex-Roman (über diese
Gattungsbezeichnung wird im Folgenden noch zu diskutieren sein), einen regelrechten
Sturm im Blätterwald des Feuilletons aus. Den Ursachen für den von der Autorin bewusst
gesuchten Skandal soll demnach im Sinne des Untertitels („Über den Reiz des
Unstatthaften“) in dieser Arbeit nachgegangen werden. Im ersten Teil derselben wird dazu
zunächst mit Hilfe von Freuds sozialpsychologischen Gründen für die Sexualität als Tabu
und Foucaults historischer Diskursanalyse zur Sexualität das theoretische Fundament
gelegt. Ausgehend vom ambivalenten Tabu-Begriff und den daran anknüpfenden
Machtmechanismen des Sexualitätsdiskurses wird sich Charlotte Roches Werk-Trias
gewidmet werden. Die auf den Debütroman „Feuchtgebiete“ folgenden zwei Werke der
deutschen Autorin gleichen dem ersten in ihrem provokativen Ansatz, mit ähnlichen
weiblichen „Heldinnen“3, dem Handlungsaufbau und der Erzähltechnik derart, dass im
zweiten Teil auf eine streng separate Behandlung der Roche’schen Dreiheit verzichtet
werden kann. Ziel der Arbeit kann und soll demnach auch keine umfassende literarische
Analyse von Roches Büchern sein - dies wäre dem zeitlich gesetzten Rahmen des „Travail
de candidature“ nach auch nicht möglich.4
Vielmehr soll gezielt herausgearbeitet werden, wie sich der (u. a. mediale) Boom der
literarischen Inszenierung von Sexualität (und damit implizit verbunden: die Gewalt gegen
sich selbst und andere) und somit der Erfolg solcher Werke der Gegenwart erklären lassen.
Dass dazu natürlich auch die Mittel der literarischen Analyse herangezogen werden
müssen, unter anderem, um die Eigenheiten von Roches Darstellungen von Sexualität zu
ergründen, - dies nicht zuletzt deshalb, weil die literarische Auseinandersetzung dazu
dienen soll, das Urteil derer, die bei der Rezeption der Werke „Skandal!“ schrien und den
1 Vgl. für dieses Prädikat DÖRFELT-MATHEY, Tabea: Spiel nicht mit dem Schmuddelmädchen! - Über
literarische Grenzgänger und ihre Ausgrenzung am Beispiel von Else Buschheuers „Ruf! Mich! An!“ und
Charlotte Roches „Feuchtgebiete“. In: Aussiger Beiträge 4 (2010), S. 1.
2 Im Folgenden wird auf genaue Textstellen aus Roches Trias im Fließtext mit den Kürzeln R I für
„Feuchtgebiete“ (vgl. ROCHE, Charlotte: Feuchtgebiete. Roman. 26. Aufl. Berlin: Ullstein Taschenbuch
2013 [1. Aufl. der gebundenen Ausgabe 2008]), R II für „Schoßgebete“ (vgl. ROCHE, Charlotte:
Schoßgebete. Roman. 1. Aufl. München: Piper Verlag 2011) und R III für „Mädchen für alles“ (vgl. ROCHE,
Charlotte: Mädchen für alles. Roman. 1. Aufl. Berlin u. München: Piper Verlag 2015) verwiesen. Dahinter
stehen jeweils die genauen Seitenangaben in Klammern.
3 Auch diese Bezeichnung ist diskutabel, weil es im eigentlichen Sinne scheiternde Existenzen sind.
4 Aus diesem Grund muss (z. B. bei der umfassenden und komplexen Theorie Foucaults)

Projektunterricht praktischer Journalismus: Kompetenzzugewinn für die Schülerinnen und Schüler

by Bourggraff Mireille

In dieser Arbeit geht es darum, zu untersuchen, welche Kompetenzen die Schülerinnen und Schüler mithilfe journalistischer Projekte aufbauen und erweitern können und inwieweit sich praktischer Journalismus im Deutschunterricht auf die Qualität der Schülerproduktionen auswirkt. Somit ist das Ziel dieser Arbeit, herauszufinden, welche ausgesuchten Faktoren dieses Projektunterrichts der Kompetenzförderung der Schülerinnen zuträglich sind.
Zusammenfassend zu den pädagogischen Grundlagen kann man sagen, dass die Pragmatiker Dewey und Kilpatrick Lernen als gegeben sehen, wenn die Schüler und Schülerinnen selbst aktiv werden, indem sie planen, handeln und ihre Planungen und Handlungen reflektieren. Das Thema des Projekts soll für die Schüler bedeutsam sein oder werden und sie sollen in Gruppen lernen. Auch die Deutschen Pädagogen Frey und Gudjons sehen den großen Verdienst und auch das Wesen des Projekts in der Trias Planen - Handeln - Reflektieren.
An einem Fallbeispiel findet die Untersuchung statt. Es handelt sich um ein Projekt, das im Rahmen der Partnerschaft des NOSL und des Willibrord-Gymnasiums Bitburg zusammen mit dem Medienzentrum des Eifelkreises Bitburg-Prüm durchgeführt wird. Lernende aus verschiedenen Ländern und Schulen arbeiten an einer gemeinsamen Ausstellung mit journalistischen Formaten zu einem bestimmten Thema. In diesem Fall ist das Thema ‚Ehrenamt‘. Bei der Durchführung des Projektes zeigt sich, dass die Schüler durchaus in der Lage sind, ihre Handlung zu reflektieren, wenn man ihnen dazu die Mittel an die Hand gibt, hier in Form von Reflexionsbögen. Die Arbeit in Gruppen erwies sich meist als fruchtbar, wobei darauf zu achten ist, auch die sozialen Prozesse mit den Schülern zu reflektieren. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt jedoch auf den Schreibkompetenzen. Damit die Schüler diese erweitern können, muss die Lehrerin in den Hintergrund treten, zur Lernbegleiterin statt -gestalterin werden, denn gestalten können nur die Schüler selbst ihr Lernen. Indem der Lehrer den Schülern innerhalb der Rahmenbedingungen Freiheit bei ihrer Arbeitsorganisation lässt, ihnen Feedbacks, Tipps und Material an die Hand gibt, werden die Schüler befähigt, weitgehend selbstständig Reportagen zu schreiben. Eine ebenfalls sinnvolle Voraussetzung ist es, ein Thema zu finden, das die Schülerinnen begeistern kann, sowie das Projekt in ein Produkt münden zu lassen, das auch über die Schule hinaus Wirkung zeigt. Dies erhöht die Motivation der Schülerinnen, was ihnen hilft, packende Reportagen zu schreiben, da sie nicht ins Leere hineinarbeiten und wissen, dass ihre Produkte veröffentlicht werden. Daraus ergibt sich, dass gut überlegt werden muss, in welchen Situationen der Projektunterricht sinnvoll ist.

Das Motiv der Heimatlosigkeit in Michael Köhlmeiers Erzählungen. Eine literaturwissenschaftliche Analyse

by Scheiden Ursula

Gegenstand der vorliegenden Abschlussarbeit ist die Untersuchung, Interpretation und

Systematisierung der in Michael Köhlmeiers Anthologie Mitten auf der Straße transferierten

Vorstellungen des Begriffs der Heimatlosigkeit. Dabei soll geklärt werden, inwieweit dessen

Duktus gezielt Mittel dieser narrativen Inszenierung ist.

Nachgegangen wird des Weiteren der Frage, weshalb Michael Köhlmeier gerade um die

Jahrtausendwende Figuren zeichnet, welchen eine substantielle Sehnsucht und ein

grundlegendes Gefühl der Heimatlosigkeit innewohnen. In dieser Hinsicht soll ermittelt

werden, in welchem Zusammenhang dieses Grundmotiv mit dem politischen Österreich der

damaligen Zeit steht. Schließlich wurde Österreich während zwei Legislaturperioden (2000 –

2007) von einer schwarz-blauen Regierung geführt, die nicht von allen Bundesbürgern

wohlwollend getragen wurde. Abschließend soll in diesem Zusammenhang eruiert werden, ob

das Gefühl der Heimatlosigkeit möglicherweise als konstitutiv im Empfinden der

Vorarlberger Gesellschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts betrachtet werden kann.

Angenähert wird sich der zugrundeliegenden Thematik über Michael Köhlmeiers Leben und

Werk, über dessen Verhältnis zu seiner Heimat Österreich und der wesentlichen

Charakteristika des Bundeslandes Vorarlberg selbst. Daran anknüpfend soll über Köhlmeiers

Schriftstelleridentität auf seinen Heimatbezug als Schriftsteller und/oder Bürger eingegangen

werden. Schließlich wird das Konzept der Heimat selbst ins Blickfeld der Untersuchung

gerückt und systematisch erfasst. Letztendlich fungiert dasselbe im weiteren Verlauf der

Arbeit als Basis des zu analy

Kunstmärchen im Kontext des Epochenumbruchs um 1800

by Lang Laurent

Im Zentrum dieser Arbeit stehen Goethes Das Märchen, das die Novelle Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten beendet, Novalis‘ Klingsohr-Märchen, Tiecks Der blonde Eckbert sowie Der Runenberg und E.T.A. Hoffmanns Der goldne Topf. Diese Werke sind alle jeweils Stellvertreter einer neuen Art von Märchen, welche in einem engen Zusammenhang mit den sozialen und politischen Folgen des Epochenumbruchs um 1800 stehen. So beschäftigte die Französische Revolution mit ihrer Radikalität nicht nur Goethe, sondern auch andere Autoren. Dieser politische Hintergrund spiegelt sich auf unterschiedliche Art und Weise in ihren Werken wider. Angesichts dieser Erkenntnis ist die Frage nach der Absicht der eben genannten Werke mit ihren Kunstmärchen unvermeidlich. Besteht die Intention vor allem darin, eine utopische Vision als alternative, bessere Welt zu postulieren oder die Realität nur kritisch darzustellen, indem die Autoren der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten?
Um die Thematik allumfassend erläutern zu können, ist eine systematische Vorgehensweise vonnöten, die sowohl die theoretischen Grundlagen als auch die Arbeit an den Primärtexten voraussetzt. Mithilfe eines textorientierten Ansatzes soll werkimmanent herausgearbeitet werden, wie sich die verschiedenen Bewegungen und Tendenzen auf die Autoren der oben zitierten Kunstmärchen ausgewirkt haben. Dabei muss zuerst die Bedeutung des Begriffes „Kunstmärchen“ im Vergleich zum „Volksmärchen“ geklärt werden, ehe die soziale und politische Situation im Hinblick auf die literarische Verarbeitung respektive Fiktionalität untersucht wird. Demnach ist die Philosophie des Idealismus und der Romantik für das Gesamtverständnis relevant. In einem weiteren Schritt wird der Begriff „Utopie“ herangezogen, um die literaturwissenschaftliche Analyse zu vertiefen. Schließlich werden Goethes, Novalis‘, Tiecks und E.T.A. Hoffmanns Werke in Verbindung mit den oben genannten Kriterien analysiert. Diesbezüglich wird viel Wert auf die Symbolik und die rhetorischen Mittel gelegt, die bei den vier erwähnten Autoren teilweise sehr unterschiedlich sind und welche der Leserschaft die literaturphilosophischen Weltanschauungen der Schriftsteller verdeutlichen.

Reisen als Reifeprozess: Jugendliche und junge Erwachsene auf Reisen – De- und Rekonstruktion von Persönlichkeiten im literaturgeschichtlichen Kontext

by Diederich Paul

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Motiv des Reisens in fiktionalen Werken und arbeitet insbesondere heraus, inwiefern sich die Reisen jugendlicher Protagonisten bestimmter literarischer Epochen unterscheiden beziehungsweise ähneln.
Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die Werke „Aus dem Leben eines Taugenichts“ (1826) von Joseph von Eichendorff, „Der Hagestolz“ (1845) von Adalbert Stifter, „Narziss und Goldmund“ (1930) von Hermann Hesse sowie „Nächsten Sommer“ (2010) von Edgar Rai. In all diesen Texten gehen Jugendliche oder junge Erwachsene auf Reisen und erfahren einen Reifeprozess.
Um sich dem Motiv der Reise nähern zu können, gilt es dabei zunächst, die Geschichte und Entwicklung des Reisens über die Jahrhunderte überblicksartig darzulegen und anschließend zu analysieren, welche Rolle das Reisemotiv in den verschiedenen literarischen Epochen spielte und wie es umgesetzt wurde, um der anschließenden vergleichenden Werkanalyse einen literaturhistorischen Bezugsrahmen zu geben. Es ist davon auszugehen, dass gerade die technische Evolution auch zu Veränderungen im Reiseverhalten führte, die sich wiederum in der jeweils zeitgenössischen Literatur wiederfinden lassen.
Im Anschluss an diesen historischen Überblick wird mithilfe eines textorientierten Ansatzes werkimmanent herausgearbeitet und in diachroner Art und Weise analysiert, aus welchen Gründen die Figuren ihre Heimat verlassen, welche Begegnungen und Erfahrungen sie unterwegs erleben, wie sich ihre Reise im Einzelnen gestaltet und inwiefern sie einen Reifeprozess erfahren. Die grundlegende Frage ist also die des Einflusses der Reisen auf die jeweiligen Figuren. Gleichzeitig wird ein kontextorientierter Ansatz verfolgt, der die Texte vor dem Hintergrund historischer Entwicklungen betrachtet und erlaubt, die jeweiligen fiktionalen Werke mit der geschichtlichen Situation in Verbindung zu setzen.
Bei der anschließenden vergleichenden Werkanalyse lässt sich feststellen, dass sich bestimmte Aspekte der Reisemotivik als überzeitlich erweisen, während andere stark epochengebunden sind. So ergeben sich einerseits die Verkehrsmittel oder die Reiseinfrastruktur in aller Regel aus der jeweiligen Epoche und entsprechen auch in den fiktionalen Werken der Realität der Zeit, während andere Aspekte, allen voran der Reifeprozess des jeweiligen Protagonisten durch die Erfahrungen, die er auf seiner Reise macht, als zeit- und epochenunabhängig gelten können. Die diachrone Analyse der ausgewählten Werke zeigt entsprechend, dass sich die Protagonisten in allen vier Werken unabhängig von den konkreten Einzelaspekten ihrer jeweiligen Reisen allesamt weiterentwickeln und schneller reifen, als wenn sie ihren heimatlichen Alltag nie hinter sich gelassen hätten.

Die Funktion des Humors in Gottfried Kellers Novellenzyklen Die Leute von Seldwyla und Züricher Novellen

by Frantzen Jean-Claude

Gegenstand dieser Arbeit ist die Funktion des Humors in den Novellenzyklen Die Leute von Seldwyla und Züricher Novellen von Gottfried Keller. Wenngleich aus Gründen des Umfangs nicht der Anspruch erhoben wurde, jede Erzählung dieser Novellensammlungen einer genauen Interpretation zu unterziehen, wurde anhand einer Analyse ausgesuchter Erzählungen und Erzählpassagen dargelegt, wie die humoristische Darstellungsweise es Keller ermöglicht, eine objektive Wirklichkeit auf eine spezifisch poetische Weise zur Sprache zu bringen und sich mit dem Wesen des Menschen und dessen Verhältnis zur Gesellschaft auseinanderzusetzen. Die zu diesem Zweck untersuchten Novellen sind: Die drei gerechten Kammmacher, Kleider machen Leute und Das Fähnlein der sieben Aufrechten.
Zunächst wurde in einem theoretischen Teil untersucht, was man unter dem Begriff ‚Humor‘ versteht, um sich zugleich mit dem Komischen und den diversen Ausprägungen des Humors zu befassen, die in den ausgewählten Novellen von Keller zum Ausdruck kommen. Anhand wichtiger Schlüsselmomente in Kellers Leben wurde verdeutlicht, welche Forderungen er an die Literatur stellt und warum er dem Poetischen Realismus zuzurechnen ist. Im nächsten Teil wurde analysiert, welche Funktion dem Humor in Kellers erzählerischem Werk zukommt und inwiefern er mit den Anforderungen des Poetischen Realismus vereinbar ist. Da eine Antwort auf diese Fragen jedoch voraussetzt, dass man Kellers Humor überhaupt erst erfasst, erfolgte zuvor eine Analyse seines Erzählstils. Im Anschluss wurde dargelegt, welche Differenzen es zwischen der Romantik und dem Poetischen Realismus bezüglich des Humors gibt, um in einem nächsten Schritt herauszuarbeiten, dass sich der Humor bei Keller besonders im komplexen Verhältnis von Sein und Schein in ganz unterschiedlichen Formen manifestiert. Bevor die Ergebnisse in einer Schlussbetrachtung zusammengeführt wurden, wurden im Hauptteil die drei oben erwähnten Novellen, die das gesamte Spektrum von Kellers Humor offenbaren, hinsichtlich der Funktionen des Humors ausführlicher analysiert.
In der Arbeit konnte nachgewiesen werden, dass der Humor bei Keller den Leser unterhalten und erheitern soll, was einerseits durch seinen besonderen Erzählstil und andererseits durch das Schaffen einer Situations- und Handlungskomik gewährleistet wird. Darüber hinaus ist der Humor auch ein darstellerisches Prinzip für Kellers Realismus, das eine vorgefundene empirische Wirklichkeit auf eine künstlerische Art und Weise wiedergibt und eine distanzierte Erzählhaltung ermöglicht, bei der der Mensch häufig über die Darstellung der von ihm umgebenden Objektwelt charakterisiert wird. Außerdem hat der Humor bei Keller eine entlarvende und didaktische Funktion, die darauf abzielt, das Wesen des Menschen zu offenbaren, wodurch zugleich Rückschlüsse auf die Mentalität der Gesellschaft gezogen werden können, in der er sich aufhält und mit anderen Figuren interagiert. Als demaskierendes Medium kann der Humor je nach Haltung des Erzählers gegenüber den Figuren von versöhnlicher Ironie, über kritische Satire bis hin zur furchterregenden Groteske ganz unterschiedliche Formen annehmen.

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